Nachdem die Freqzenzweichen meiner alten Standboxen langsam starben und sie mir auch zu groß waren, habe ich nach neuen, kleineren Aktivboxen gesucht. So habe ich, für mich ganz unüblich, mir via Online-Shopping Paar um Paar nach Hause bestellt und so gut es ging blind probegehört. Bei meinem Budget, räumlichen Verhältnissen, Musikgeschmack und technischen Anforderungen bin ich bei den Nubert nuPro X-4000 gelandet.
Von vorne gefällt mir, dass den Lautsprecher kein aufdringliches Logo oder Ähnliches ziert. Selbst das Display im unteren Teil kann sich automatisch bei Inaktivität abschalten. Es ist einfach nur ein Lautsprecher, wiewohl ein Adlerauge das Firmenlogo an der Unterkante des Hochtöners erkennt. Über den Klang müssen wir nicht reden: Mir gefällt er, mit der großen Räumlichkeit und der feinen Abbildung der Mitten und Höhen. Der Lautsprecher ist nicht zu analytisch, für den Preis ziemlich präzise und mit reichlich Anschlüssen ausgestattet. Dass sich zwei Lautsprecher drahtlos oder mit Kabel zu einem Stereopaar zusammenschalten lassen, kommt mir sehr entgegen. Die drahtlose Verbindung fügt allerdings eine Latenz von laut Datenblatt „< 20 ms“ ein, und das wollte ich nicht. Bei Gelegenheit kann ich aber gerne mal nachmessen, wie groß die Latenz eigentlich ist.
Nur was steckt eigentlich in so einem Nubert-Aktivlautsprecher drin? Gucken wir doch mal rein!
- Burr-Brown SRC43821: Abtastraten-Konverter
- D2Audio D2-92634-LR: Sound-Prozessor mit DSP und Ansteuerung eines Klasse-D-Verstärkers
- STM32F030: Mikrocontroller
- TI PCM1863: ADC 2 Kanäle, 24 Bit, 192 kHz Abtastrate
- TI DRV603: Klick-freier Treiber (für den Subwoofer?)
- XMOS XU208-256: Mikrocontroller mit USB, Serie xCORE 200 (Beschriftung: U30870C10, GT173501)
Der eigentliche Verstärker ist ein Klasse-D-Verstärker. Ein Teil davon ist vermutlich im D2-92634-LR realisiert. Ich nehme an, dass dieser die PWM-Rechtecksignale zur Ansteuerung der Endstufe erzeugt. Die Endstufe selbst, vermutlich nur ein paar MOSFETs, befindet sich auf der Unterseite der Platine und ist mit einem Metallblock thermisch an den Kühlkörper gekoppelt. Zur Glättung des Ausgangssignals des Verstärkers dienen zwei große Spulen neben dem Verstärker. Das sind wirklich wunderschöne Spulen!
Kommen wir zum etwas ulkigem Teil, den Funkmodulen. Diese bilden einen Stapel weiterer Platinen, der auf die Audio-Platine geschraubt ist. Als erstes fällt einem beim Auseinandernehmen auf, dass man die Antenne nicht lösen kann, weil der Stecker von einer kleinen Platine mit chinesischer Beschriftung festgehalten wird. Ehrlich gesagt habe ich noch nie gesehen, dass sich einer dieser kleinen Stecker von selbst gelöst hätte. Aber gut, was weiß ich, wie sehr es in einem Lautsprecher vibriert. Das Bluetooth-Modul mit der blauen Platine ist ein Standard-Modul. Nur dass man bei Nubert für den Luxus einer externen Antenne entschieden hat. Ob das Audio-Signal digital oder analog herauskommt? Tja, meist nur analog, aber vielleicht hat Nubert das Modul überzeugt, das Audiosignal digital via I2S auszugeben? Müsste man nachmessen. Wollte ich nur nicht, da das mit der Netzspannung an der Netzteilplatine, die dann sehr nahe an meinen Fingern wäre, keine Freude ist. Im Grunde ist es egal, weil per Bluetooth eh nur SBC, AAC und aptX unterstützt werden. SBC bietet eine niedrige Latenz, ist aber qualitativ mit GSM zu vergleichen. Nicht einmal für Sprache möchte man das benutzen. AAC ist etwas moderner als MP3 und aptX ist noch weit entfernt von „CD-Qualität“. Insofern ist es zwar nett, Bluetooth nutzen zu können, nur spielen die Lautsprecher dabei ihre Stärken nur eingeschränkt aus. Hinzu kommen Details wie dass die Boxen piepen, wenn man den Bluetooth-Eingang ausgewählt hat und sich ein Gerät via Bluetooth verbindet. Genau wie es meine 5-€-Bluetooth-Module von AliExpress auch tun. ;) Eine andere Seltsamkeit ist, dass beide Boxen getrennt via Bluetooth sichtbar sind, auch wenn sie als Stereo-Paar verbunden sind. Intuitiv würde ich erwarten, dass in diesem Fall nur die Master-Box sichtbar ist. Aber nein, die Slave-Box erscheint ebenso, obwohl sie komplett ferngesteuert wird.
Über der Bluetooth-Platine befindet sich eine weitere mit dem Modul für die drahtlose Audioübertragung an die zweiten Box. Mit dem Modul DWAM83 von Microchip wird das Signal für die andere Box unkomprimiert im 2,4- oder 5-GHz-ISM-Band übertragen. Die Qualität ist dementsprechend gut, nur erkauft man sich das mit etwas Latenz. Laut Datenblatt weniger als 20 ms, nur wie viel es genau ist, dazu schweigt man sich aus. Auch, ob es sich um 16- oder 24-Bit-Audio handelt.
Mit diesem Stapel aus Platinen haben wir den Großteil der Dinge gesehen, die in der Box sind. Die Lautsprecher selbst und das Frontpanel habe ich in Ruhe gelassen. Mit der Verarbeitung bin ich sehr zufrieden, einzig der Stapel aus Platinen für die Funkanbindung hat mich verwundert.